Ein letztes Mal

Dies soll nun mein letzter Blogartikel aus Kenia sein, denn bald schon ist der Termin meiner Rückreise nach Deutschland. Am kommenden Freitag, am 26.08. werde ich vom Jomo Kenyatta International Airport Nairobi aus die Reise nach Deutschland über Dubai starten.

Schon letzte Woche Freitag haben Jonas und ich uns von unseren Kollegen und Freunden auf dem Compound in Nairobi auf dem wir arbeiten und leben mit einer Farewell-Party im kleinen Kreise verabschiedet. Es war schön noch ein letztes Mal diese alle Menschen die uns durch dieses Jahr begleitet haben bei uns zu haben.

Die Farewell-Party für die Farm wird morgen, am Donnerstag stattfinden. Auf der einen Seite freue ich mich schon sehr darauf, mit den Jungs und den Kollegen auf der Farm zu feiern und noch einmal das Beisammensein zu genießen; Auf der anderen Seite ist mir auch klar, das dies das letzte Mal sein wird, dass ich zur Farm fahre, das letzte Mal dass ich Zeit zusammen mit meinen Freunden auf der Farm verbringen werde, wohl das letzte Mal das ich diese Menschen, die mich durch mein Jahr begleitet haben und die in dieser Zeit zu einem festen, sehr wichtigen Teil meines Lebens geworden sind, sehe – Gemischte Gefühle!

Ich freue mich meine alte Heimat mit meinen alten Freunden wieder zu sehen während ich gleichzeitig der neuen Heimat, die ich über das kurze Jahr sehr zu schätzen und lieben gelernt habe, nachtrauere.

Aber tatsächlich ist dies wohl der beste Abschied den ich mir vorstellen kann. Wie traurig wäre es, würde ich meine neue Heimat, Nairobi, das Projekt, die Farm und Menschen die ich kennen lernen durfte nicht vermissen? Ein schöner Schmerz!

Da nun bis zu meiner Ausreise von heute an  nur noch sehr wenig Zeit aber noch viel zu tun und zu erleben bleibt, halte ich mich heute mit meinem Artikel kurz – ein letztes Mal aus Kenia.

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Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten

Vor einigen Monaten, noch ziemlich am Anfang meines Freiwilligendienstes, habe ich mit Hilfe einiger bereitwilliger Helferinnen einen Spendenaufruf mit dem Thema ‚Ein Sportplatz für Osiligi‘ in Zwei Lokalzeitungen veröffentlicht. Eine dieser Helferinnen ist Ann-Kathrin Weißenbach, die für mich den Kontakt zur Allgäuer Zeitung hergestellt, einen Artikel für mich geschrieben und somit mit ihrem großen Eigenengagement die Veröffentlichung des Spendenaufrufs in der ‚AZ‘ ermöglicht und realisiert hat. Eine weitere, maßgeblich am Gesamterfolg beteiligte Helferin war Bärbel Mayr; meine Ansprechpartnerin beim ‚extra‘, die für mich mit sehr viel Überzeugung und Herz den Spendenaufruf in ebendieser Lokalzeitung veröffentlicht hat.

Durch die von diesen zwei Helferinnen ermöglichten Spendenaufrufe ist ein Mann auf mich und das Projekt ‚Osiligi Youth Center‘ und die Aktion ‚Ein Sportplatz für Osiligi‘ aufmerksam geworden.

Vor ungefähr einem halben Jahr, um die Weihnachtszeit herum, habe ich dann von webendiesem Mann, von Klaus Kalt eine sehr herzliche E-Mail erhalten, die ich mehrere Male mit einem erfüllten Grinsen auf dem Gesicht gelesen habe. In dieser Mail hatte mir Herr Kalt geschildert wie gut ihm das Projekt gefällt, wie sehr er mit den Jungs mitfühlen kann, wie gerne er diesen helfen will. Darum wollte er der Farm und den Jungs in einer ganz besonderen, in einer einmaligen Art und Weise etwas gutes Tun: Als Geschäftsführer eines Trikotverleihs hatte er angeboten einen kompletten, individuell bedruckten Trikotsatz für die Jungs bereitzustellen – Unglaublich – Einmalig – Extrem ergreifend!

Mit einigen kurzen Mails hatten wir uns über die Farbe, Anzahl und Beschriftung der Trikots besprochen. In extrem kurzer Zeit war dann dieser individuelle Osiligi-Trikotsatz Bereit für den Transport. Und auch dieser war schon organisiert. Mitte April waren meine Eltern und meine Schwester hier bei mir in Kenia zu Besuch um das Land, die Umstände, mein Projekt und mich zu sehen. Bereitwillig hatten sie zugestimmt die Trikots und einige weitere Kleidungsstücke, die in einer kleinen Kleidersammelaktion für die Osiligi-Farm von vielen, vielen Helfern und Helferinnen zusammen getragen wurden, an ihren Bestimmungsort nach Nairobi zu bringen. Dafür haben meine Besucher selbstlos bei ihrem persönlichen Gepäck eingespart um so die rund 150 kg schwere Kleidersammlung mitzubringen.

Vor einiger Zeit habe ich dann die insgesamt mehr als 250 Kleiderstücke zusammen mit zwei Freiwilligenfreunden gezählt und der Organisation übergeben – Große Freude und Dankbarkeit.

Vor einigen Wochen habe ich die Fußballtrikots den Organisationseltern gezeigt und der Farmleitung Übergeben – Großes Staunen und beeindruckte Gesichter.

Als letztes durften dann die Jungs die Trikots sehen und natürlich auch testtragen – Große Augen, riesige Freude und vor allem ganz viel Stolz.

Ich will nun mit diesem Artikel allen die sich in dieser Kette aus helfenden Händen wieder finden Danke sagen; bei Ann-Kathrin Weißenbach und Bärbel Mayr, die indem sie mir dabei geholfen haben den Spendenaufruf zu veröffentlichen, den Anfang dieser Kette gebildet haben und alles ins Rollen gebracht haben – Bei den vielen, vielen Spendern der vielen, vielen Kleider mit denen der Organisation eine große finanzielle Last abgenommen wurde – Bei meinen Eltern und meiner Schwester, die die vielen, vielen Kleider sicher an ihren Bestimmungsort gebracht haben – Bei Klaus Kalt, der geleitet von seiner Einfühlsamkeit diese geniale Idee entwickelt hat und demnach bereitwillig und selbstlos diesen einmaligen, individuellen Trikotsatz für die Farm und die Jungs bereit gestellt hat.

Beim schreiben dieses Artikels und reflektieren des Geschehens ist mir folgende Weisheit eingefallen, die ich vor längerer Zeit auf der Seite eines Freiwilligenkollegen gelesen hatte:

„Viele kleine Leute, an vielen kleinen Orten, die viele kleine Dinge tun, werden das Antlitz dieser Welt verändern.“ – Sprichwort der Xhosa

Auch in unserem Fall haben sich viele kleine und große individuelle Helfer und Helferinnen, aus unterschiedlichen Orten, aus unterschiedlichen Positionen, mit unterschiedlichen Mitteln am Projekt beteiligt, sich wie die Glieder einer Kette zu einer Kette aus helfenden Händen zusammen geschlossen um am Ende ein gemeinsames Ziel zu verwirklichen.

Von ganzem Herzen: Vielen, vielen Dank euch allen!!

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Aus Ägypten nach Kanaan

Vor nun mittlerweile mehr als neun Monaten habe ich meinen Dienst hier in Kenia, in Nairobi, hier bei Afri-Lift angetreten. Ich kann mich noch sehr genau daran erinnern, wie ich das erste Mal zusammen mit meinem Freiwilligenkollegen Jonas und den Organisationseltern an unseren Hauptarbeitsplatz nach Isinya, auf die Osiligi-Farm gefahren bin. Schon damals wurden wir hier sehr freudig von den Farmarbeitern und den Jungs begrüßt. Jonas und ich haben uns dann ziemlich schnell daran gemacht unser neues Zuhause zu erkunden und uns mit unserer neuen Arbeits- und Lebensumwelt vertraut zu machen. So haben wir das Farmgelände mit all den unterschiedlichen Unterkünften und Räumlichkeiten, mit dem Übungsfeld für die Landwirtschaftliche Ausbildung und den Bereichen für sportliche Betätigung kennen gelernt. Sehr bald haben wir dann auch unseren Platz im Farmalltag gefunden. Wir haben angefangen in den Klassenräumen der Osiligi Farm Unterricht zu halten; Auf dem Fußballfeld mit den Jungs zu kicken und darüber einen näheren Kontakt mit diesen aufzubauen; Wir haben uns an den Koch- und Essgewohnheiten beteiligt und daran gewöhnt; Wir haben uns eingebracht. Zudem haben wir hier auf der Osiligi-Farm in Isinya mit den Jungs einige neue Aktivitäten getestet und eingeführt. Wir haben das Punktesystem geplant und erfolgreich umgesetzt; Wir haben den wöchentlichen Spieleabend und das wöchentliche Picknick eingeführt bei dem wir zusammen mit den Jungs die Umgebung rund um die Farm kennen gelernt und lieb gewonnen haben. Wir hatten so weit sehr schöne, sehr einprägsame erste neun Monate hier in dem Osiligi Youth Centre in Isinya.

Doch mit der Zeit ist das Leben in Isinya, auf unserer alten Farm schwer geworden. Es gibt nun schon lange kein fließendes Wasser mehr. Die Jungs müssen das zur Körper- und Kleiderwäsche, zum Trinken und Kochen benötigte Wasser mithilfe von in Schubkarren transportierten 20-l Kanistern von der ca. 20 Fußminuten entfernten Nachbarfarm holen; die Jungs sind genervt von der Anstrengung, die Lehrer davon die Jungs zu überzeugen – Ärger. Auch aus diesem Grund, wegen des Wassermangels, kann in Isinya keine Landwirtschaft betrieben werden. Das bedeutet dass die Landwirtschaftsstunden lediglich in der Theorie gehalten werden können und außerdem jegliches Gemüse eingekauft werden muss, was sich negativ auf die Menge des Grüns auf den Tellern und auf die Geldbörse der Organisation auswirkt; Für Jungs, Lehrer und Organisationsleitung keine zufriedenstellende Situation – Unzufriedenheit. Der Strom ist wetterabhängig. Da es hier auf unserer Farm in Isinya keine Anbindung an das Stromnetz gibt wird der Strom, den wir haben, lediglich aus Solarzellen gewonnen. Bei schlechter Wetterlage bedeutet dies das Ausfallen von Licht und anderen elektrischen Geräten. Zudem sind die Batterien veraltet und schwach; oftmals können die auf der Farm Lebenden dadurch die für sie wichtigen Fußballspiele nur teilweise oder gar nicht sehen – Frustration. Die Gebäude sind mittlerweile veraltet und extrem renovierungsbedürftig: Die Böden sind in beinahe allen Zimmern aufgebrochen, die Toiletten und Duschen verlieren langsam aber sicher ihr Blechdach, die Wände fangen an zu bröckeln, durch die Schlafräume, sowie durch die Klassenzimmer und Speisesaal ist der Wind nicht nur zu hören; es wird extrem ungemütlich – Missmut.

Nun, nach langen vier Monaten des Hoffens und Wartens wurde dieser misslichen Lage endlich ein Ende gesetzt. Am Dienstag, den 10.05. haben wir dieser alten Farm und Isinya den Rücken gekehrt und sind mit all unserem Hab und Gut, mit Sack und Pack, mit Schülern und Lehrern auf unsere neue Farm in das ca. eine Autostunde entfernte Kiserian umgezogen. Hier beginnt nun ein neuer Abschnitt des Projekts ‚Osiligi-Farm‘. In unserem neuen Heim in Kiserian haben wir nun fließend Wasser, sind an das örtliche Stromnetz angeschlossen und haben solide, gemütliche neue Gebäude. Auch wurde schon ein kleines, temporäres Beet für den praktischen Teil des Landwirtschaftlichen Ausbildung und zur Deckung des Eigenbedarfs an Gemüse angelegt. Für einige der Jungs gab es hier nun die ersten praktischen Agriculturestunden; auf lange Sicht für die Farm sowie für die Organisation ein großer Gewinn. Im Moment werden einige noch nicht fertig gestellte Gebäude wie der Speisesaal, die Küche, die Toiletten und Duschen durch temporäre Einrichtungen ersetzt. Auch diese sollen jedoch in den folgenden Wochen fertig gestellt werden. Für einige der zu bauenden Gebäude, wie dem Klassenzimmer, der Unterkunft für die Farmarbeiter wie Lehrer und Freiwillige, sowie für das Büro, fehlen der Organisation noch teilweise oder komplett die finanziellen Mittel. Bis diese zur Verfügung stehen und alle Gebäude fertig gestellt sind wird weiter improvisiert, das funktioniert bis hierher sehr gut und ist für alle Betroffenen nicht weiter schlimm.

Auch wenn an der alten Farm doch noch sehr viele schöne Erinnerungen haften, bin ich sehr froh über diesen Umzug und hoffe, dass wir auch auf unserem neuen Gelände, in unseren neuen Umgebung, auf der neuen Farm in Kiserian ebenso schöne und einprägsame Erfahrungen machen können wie auf der alten.

Und auch die Jungs und Lehrer fühlen sich hier sehr, sehr wohl! Die Jungs setzen diesen Umzug, den Umzug von Isinya nach Kiserian, von der alten auf die neue Farm immer wieder dem Zug der Israeliten von Ägypten nach Kanaan gleich; aus der Sklaverei in das gelobte Land, aus extrem lebenserschwerenden Umständen in das Paradies.

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Das Benefizkonzert – Von der Utopie zur Realität

Dieser Artikel ist ein sehr besonderer Beitrag. Er kommt aus Deutschland und wurde von meinem ehemaligen Basketballkollegen und guten Freund Ilja Rausch, des Veranstalters des Benefizkonzerts welches am 11.03. in Kempten stattfand verfasst.

Mit diesem Artikel gibt er denjenigen die nicht dabei waren, wie auch mir, die Chance das Event zumindest auf die Distanz zu verflogen; Denen die dabei waren die Möglichkeit auch einen Blick hinter die Kulissen zu werfen, um möglicherweise zu entdecken wie viel Arbeit tatsächlich hinter diesem ganzen wundervollen Abend stand; Er gibt uns allen die Möglichkeit ein weiteres Mal über dieses unglaubliche Engagement und die damit verbundene Leistung zu staunen.

 

Von der Utopie zur Realität

Auf Maxs Anfrage, eine Zusammenfassung über die Entstehung und Verlauf des Benefizkonzertes für die Sportanlage in Osiligi.

Das Glück ist das einzige, was sich verdoppelt, wenn man es teilt.“

Albert Schweitzer, evangelischer Theologe


Die Geschichte der Idee:

Im Dezember letzten Jahres veröffentlichte Max seine Vision vom Sportplatz auf seinem Blog. Er wendete sich direkt an den Leser und bat ihn um Hilfe und Unterstützung, er bat den Leser „mit [ihm] zusammen den Traum einer Sportanlage für [seine] Jungs auf der neuen Farm zu realisieren“ (Help Me Help Them, 12.Dez.2010, 7.Abs., Z.3). Diese direkte Ansprache vermittelte mir, als Leser, eine Dimension des unmittelbaren Dabeiseins. Für mich persönlich war dies Die Gelegenheit etwas Sinnvolles zu machen. Da ich Maxs Blogeinträge regelmäßig verfolgte schuf ich mir eine Vorstellung von seiner Arbeit, den Jungs und der natürlichen Umgebung und damit auch eine gewisse Bindung, Mitgefühl, Verantwortung, geschweige davon, dass Max ein sehr guter Freund ist, der immer hilfsbereit war, wenn man Hilfe brauchte und geschweige davon, dass alle Menschen sich aus Solidarität das Ziel setzen sollten Gleichheit und Gerechtigkeit zu schaffen.

Dies alles führte mich zu dem Wunsch ein Projekt zu organisieren, an dem eine gute Summe Geld zur Unterstützung von Maxs Plan gesammelt werden konnte. Ein Benefizkonzert schien mir das Richtige dafür zu sein.

 

Unter einem guten Stern:

Wenn man ein Konzert organisieren möchte, muss man drei Berge erklimmen:

1.Finden

2.Werben

3.Ausführen

 

Der erste Berg entscheidet über die Realisierbarkeit der Idee. Er ist nicht hoch, eher ein Hügel, doch seine Pfade sind am unbekanntesten, sodass man mehr Glück als Arbeit braucht um die Spitze zu erreichen. Die Rede ist von dem Finden von Musikern, Sponsoren, Arbeitskräften, vom Raum, vom Zeitpunkt. Da es ein Benefizkonzert werden sollte, sollten alle Beteiligten sich rein ehrenamtlich engagieren, sodass so wenig Finanzen wie möglich ausgegeben werden müssten. An dieser Stelle wirkte der gute Stern, unter dem Maxs Projekt stand, dessen Schein auch auf diesen ersten Berg fiel. Binnen weniger Wochen waren an Bord: professionelle[!] Musiker, die umsonst auftraten; ein großzügiger Sponsor (LiMo Therm GmbH), der absolut nichts für sein Sponsoring verlangte; sehr engagierte und soziale Freunde (insgesamt 55 Helfer), die an der Kasse, Garderobe, Theke, Tontechnik, Bildtechnik, beim Aufbau, Abbau, Transport, Filmen, Fotografieren, Kuchenbacken, Überweisungsvordrucke erstellen, Werbung designen und verteilen, als Türsteher und Johanniter halfen und das Uhrwerk des Konzertes am Laufen hielten. Auch der Raum, für den keine Miete gezahlt werden musste und ein Zeitpunkt, an dem alle Beteiligten zur Verfügung standen wurden schnell gefunden. Damit war der Grundstein gelegt. Von da an sprach ich nicht mehr von einer „utopischen Idee von einem Benefizkonzert“ sondern von einer optimistischen, denn sie war nun realisierbar, aber es standen noch zwei große Hürden bevor.

 

Vom Dringen in die Masse:

„Werben“ ist der höchste Berg, der am meisten Zeit und Kräfte in Anspruch nimmt, die aber in meinem Fall leider am knappsten waren. Mit Hilfe einer sehr kreativen Freundin wurde das Design für die Flyer und Plakate entworfen und genau am Valentinstag, dem 14.Februar 2011 die Bestellung zum Druck abgegeben. In der nächsten Woche kamen sie an und dann ging das Werben los, an dem ca. 18 Helfer beteiligt waren. Überall in Kempten (in zahlreichen Geschäften und Gastronomien) und Umgebung (Buchenberg, St.Mang, Durach, Wiggensbach, Dietmannsried, Sulzberg, Haldenwang, Börwang, Isny, Betzigau) waren sie unterwegs und haben die meisten der 5000 Flyer und etwa die Hälfte der 100 Plakate verteilt und ausgehängt. Auch zwei Zeitungsartikel wurden zu diesem Zwecke geschrieben und veröffentlicht. Dabei war das Ziel: eine bestimmte Gruppe von Menschen zu erreichen, nämlich die der Reichen und Großzügigen. Bilanz: von den etwas mehr als 60 Gästen blieben genau 1226,06€ in der Kasse, das sind etwa 20€ pro Person, was bedeutet, dass die gewünschten „spendabelen“ Gäste da waren. Nachdem also auch dieser Berg erklommen war, sprach ich davon, dass „ich mich auf das Konzert sehr freue und gespannt bin, wie es verläuft“. Die Idee war damit nicht mehr optimistisch, sie wurde zur bevorstehenden Realität.

 

When the stones roll, rolls the rubel:

Nun musste nur noch der Abend erfolgreich ablaufen. Der „Ausführen“-Berg ist sowohl hoch als auch mit ungewissen Wegen, jedoch ist auch er zu schaffen, wenn ausreichend Vorbereitungen im Voraus getroffen wurden. So verlief der Aufbau reibungslos, bis eine Stunde vor Beginn sich plötzlich herausstellte, dass das Jugendhaus sein Schlagzeug nicht zur Verfügung stellt, aber auch hier war Fortuna auf unserer Seite, denn ein guter Freund verlieh uns sein komplettes neues Drumset, ohne mit der Wimper zu zucken. Alle Helfer sind sehr pünktlich gekommen, haben sehr zuverlässig und engagiert mitgemacht, sodass das Uhrwerk des Konzertes wie das einer Schweizer-Uhr lief. Die Musiker haben ein sehr interessantes, beeindruckendes, musikalisch perfekt vorbereitetes Programm hingelegt. Das vorbereitete Essen und vor allem all die Torten und Kuchen waren sehr verlockend und schmackhaft, sodass die Gäste gerne mehr dafür ausgegeben hatten. Hinzu kamen auch direkte Spenden in bar, auch einige der von einer sehr engagierten Freundin vorbereiteten Überweisungsvordrucke wurden mitgenommen. An diesem Abend erklärte auch der Leiter des Arbeitskreises des Hildegardis-Gymnasiums seine Bereitschaft, einen Teil des durch Kuchenverkauf an der Schule und diversen Partys verdienten Geldes, dem Bau des Sportplatzes zu spenden. Damit wurde die Utopie zur Realität.

 

Das Ergebnis:

Die komplette eingenommene Summe von 1226,06€ konnte am nächsten Tag sofort überwiesen werden, weil für die Ausführung des Abends keinerlei Ausgaben gemacht wurden. Sinnvoll, endlich, waren die Mühen gemacht, denn die aufgewandte Arbeit und Zeit brachten endlich ein zufriedenstellendes Ergebnis. Sinnvoll war das ganze Unternehmen auch weil es entgegen vieler medialen Berichte zeigte, dass nicht nur viele Erwachsene, sondern auch die Jugendlichen sich für das Wohl Anderer ehrenamtlich engagieren, Verantwortung für Antrdere übernehmen und sich am Glück Anderer erfreuen. Sinnvoll aber vor allem weil dadurch ein Teil dazu beigetragen wurde, dass die Farm Osiligi ihrem Namen gerecht bleibt. Ich hoffe, dass die Jungs dadurch erkennen, dass es für sie, ihr Land, für Afrika und andere benachteiligten Teile der Welt und Menschen Hoffnung existiert, weil es Menschen gibt, die ihnen in ihrer Not helfen möchten. Das Glück der Helfer und Gäste wurde bei diesem Projekt vom Glück und glücklichen Zufällen begleitet, damit die Jungs der Osiligi Farm sich an etwas mehr Funken des Glückes in ihrem Leben erwärmen. Das Glück hat sich damit, ausgelöst von Maxs Vision, nicht nur verdoppelt, sondern gar verdreifacht. An dieser Stelle möchte ich Dir, Max, als Leser, Danke sagen, für die Chance des unmittelbaren Dabeiseins.

Ilja Rausch

 

Erst nachdem ich Iljas Artikel gelesen habe ist mir das wahre Ausmaß seines Engagements, seiner investierten Zeit und Mühe; seine Bemühungen klar geworden. In diesem Sinne will ich mich noch einmal in meinem Namen und im Namen der Jungs bei Ilja und bei allen denen, die dabei geholfen haben das große Ganze zu verwirklichen bedanken.

Weitere Bilder des Abends folgen hoffentlich bald.

 

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Kurzer Spendennachruf

Seit einigen Monaten bin ich nun daran Mittel für die Realisierung der Vision ‚Sportplatz‘ auf der neuen Farm zu sammeln. Soweit und bis hier her ist diese Suche aufgrund vieler sehr hilfsbereiter Menschen sehr erfolgreich und weitaus besser als gedacht verlaufen. Somit sind nun alle nötigen Gelder für die Umsetzung des Traums vorhanden.

Jedoch hat sich bei Via e.V., meiner Entsenderorganisation, ein Problem bei der Zuordnung ebendieser Spendengelder ergeben. Um nun bei dem Zuordnen dieser Spenden zu helfen und somit diesen Prozess zu beschleunigen, damit möglichst bald mit dem Bau des Sportplatzes begonnen werden kann, will ich diejenigen die eine Spende gegeben haben bitten mir per Kommentar auf diesen Artikel, als Benachrichtigung per Kontaktformular oder direkt per E-Mail die Kontodaten des „Spendensenderkontos“ und den Betreff der Überweisung mitzuteilen. Eine Nennung des Betrags ist hilfreich aber nicht notwendig.

Vielen, vielen Dank ein weiteres Mal für eure Mithilfe.

Euer Max

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Yesterday – Today – Tomorrow

Nun bin ich also seit beinahe sieben Monaten hier in Kenia, in Nairobi, bei Afri-Lift. Mehr als die Hälfte meiner bis hierher sehr interessanten Zeit in meinem Jahr als Weltwärtsfreiwilligen ist bereits vergangen. Deshalb will ich an dieser Stelle nun und mit diesem Blogartikel zusammen mit euch auf das bisher erlebte zurück blicken, die momentane Situation fassen und das noch zu schaffende anvisieren.

In meinem ersten halben Jahr hier bei der Organisation habe ich mich schnell in meiner vielfältigen und sehr einmaligen Arbeit eingelebt und diese ebenso schnell kennen, schätzen und lieben gelernt.

Der erste Teil meiner Arbeit besteht aus dem Besuchen unseres Aufnahmeprogrammes für zukünftige Farmjungs in Kibera. Einige Male habe ich zusammen mit meinem Freiwilligenkollegen Jonas Diskussionen geleitet und dabei sehr interessante Dinge im Meinungs- und Erfahrungsaustausch über das Leben der Jungs im allgemeinen, über Kultur, Religion und Anschauung im Speziellen von den Jungs und Sozialarbeitern gelernt. Vor rund drei Monaten hatte ich dann auch die Möglichkeit ebendiese Slumjungs, die ich in dem Projekt kennen gelernt und mitbetreut habe, bei ihrem Umzug auf die Farm zu begleiten und zu helfen, diese dort in das soziale Geflecht einzugliedern. Ein sehr interessanter Vorgang, ein kleiner Teil des Rehabilitationsprozesses, der mir dabei geholfen hat das Große und Ganze Programm noch ein Stückchen besser zu verstehen.

Nun, nachdem die von mir zuerst erlebte Gruppe auf die Farm umgezogen und mittlerweile ein Teil dieser geworden ist, gilt es die nächste Generation in Otiende zu betreuen. Und auch in dieser gewohnten Runde mit neuen Gesichtern gibt es viele sehr interessante Gespräche, Meinungen und Ansichten. In naher Zukunft soll zu dem Bestehenden Aufnahmeprogramm in Kibera ein zweites in einem weiteren Slum Nairobis gestartet werden. Damit soll die Zahl der aufnehmbaren Jungs gesteigert und die bis jetzt stattfindende Gangbildung auf der Farm vermieden werden.

Die Arbeit in unserem Aufnahmeprogramm bleibt also weiterhin sehr interessant und spannend – Für mich eine riesige Bereicherung.

Der zweite Teil, eigentlich der Hauptteil meiner Arbeit, besteht zum einen aus der direkten Arbeit mit den ehemaligen Slum- und Straßenjungs auf der Farm. Sehr schnell wurde uns zwei Freiwilligen hier große Freiheiten und verantwortungsvolle Aufgaben anvertraut. So konnten wir uns schon nach kurzer Zeit als Lehrer im Unterricht einbringen, das abendliche Abendprogramm mit den Jungs gestalten und sonstige Aktivitäten wie Sport und Picknick im Alltag der Farm integrieren. So haben wir es zusammen geschafft den Alltag der Jungs auf der Farm abwechslungsreicher und bunter zu gestalten. Auch diese Arbeit ist damit, wohl zum großen Teil wegen der von Farmmanager Dick gegebenen Freiräume, eine sehr interessante, abwechslungsreiche, je nach Hingabe fordernde aber in jedem Fall lohnende, Arbeit.

Zum anderen besteht meine Arbeit auf der Farm aus organisatorischen Arbeiten die ich zusammen mit meinem Freiwilligenkollegen, den Lehrern und Sozialarbeitern der Farm sowie der Organisationsmama Jolanda angehe. So haben Jonas und ich beispielsweise ein Punktesystem zur Disziplinierung der Jungs und Vermeidung von Willkür Seitens der Farmarbeiter erarbeitet und dieses zusammen mit den restlichen Verantwortlichen verbessert und eingeführt. Zudem sind wir im Moment daran die leicht veralteten, anscheinend einige Male ergänzten und dadurch unübersichtlich wirkenden Regeln der Farm zu überarbeiten und zu vereinfachen. Auch diese organisatorischen Arbeiten auf der Farm benötigen sehr viel Eigeninitiative, die ich aber aufgrund des bereits Erreichten und des in Zukunft noch zu Erreichenden gerne bereit bin aufzubringen.

Diese Aufgaben in dem Osiligi Rehabilitation Center zusammen mit diesen so interessanten Jungs und dem extrem offenen und herzlichen Farmmanager und Farmstaff macht die Arbeit zu einem großen Erlebnis, zu einer einmaligen Erfahrung – Eine große Bereicherung.

Der dritte, letzte und selbst gegebene Teil meiner Arbeit hier bei Afri-Lift besteht aus der Planung und Realisierung des Sportplatzes auf der neuen Farm auf die wir hoffentlich sehr bald und mit kräftiger Verspätung umziehen können. Die letzten Monate war ich damit beschäftigt einen Platz auf der neuen Farm, sowie eine geeignete Größe des Basketball- und Fußballfeldes zu finden. Zusammen mit den Jungs habe ich dafür einen Platz ausgesucht und abgemessen; Zusammen mit dem Organisationspapa habe ich dann eine geeignete Firma für diese Unternehmung gesucht und gefunden; Zusammen und mit der Hilfe von euch Bloglesern ist nun die Realisierung möglich. In den letzten fünf Monaten bestand meine Hauptaufgabe darin Spender und Spenden für den Sportplatz der neuen Farm zu finden. Viele Menschen haben sich bereit erklärt hierzu einen Teil beizutragen. So hat mein ehemaliger Chef Alexander Buck angeboten Radflaschen für den guten Zweck in seinem Sportpladen, SportBuck, zu verkaufen; Mein Vater hat auf seinem Geburtstag auf mein Bedürfnis, das Bedürfnis der Organisatoin und der Jungs, aufmerksam gemacht und seine Gäste um Spenden gebeten; Mein ehemaliger Basketballverein, die SG Heising-Kottern, hat ebenfalls großes Engagement gezeigt und großzügig Hilfe in Form eines Benefizturniers angeboten und dieses umgesetzt; Mein guter Freund und ehemaliger Basketballkollege Ilja Rausch hat sehr viel Mühe und Kraft investiert und ein Benefizkonzert für den Sportplatz auf der neuen Farm realisiert; Das Hildegardis Gymnasium Kempten hat sich ebenfalls von dieser Idee inspiriert gefühlt und einen großen Teil zum gelingen des Projektes beigetragen; Klaus Kalt, der Besitzer eines Trikotverleihs hat aus dem Nichts und extrem großzügig angeboten, neue Trikots für die Jungs auf der Farm bereit zu stellen und zu bedrucken; Dazu kommen die Spenden von einigen Einzelpersonen die sich von der Idee animiert fühlten und jeder zu seinem Teil zum gelingen des Projektes beigetragen haben. Am Ende dieser langen Kette von Anfragen, Absagen, Zusagen und unerwarteten helfenden Händen steht nun die unglaubliche Summe von 7.000 Euro. Mit dieser wird es uns nun möglich sein den Sportplatz wie geplant, mit Gym, Basketball- und Fußballfeld, zu realisieren. Ich hoffe das wir schon sehr bald mit dem Bau beginnen und diesen noch vor meiner Abreise abschließen können. Allen Spendern die mir dabei geholfen haben dieses Projekt umzusetzen, den Jungs den Traum eines guten Sportplatzes zu ermöglichen, will ich hier an dieser Stelle noch einmal sehr herzlich für das Mitfühlen und Mithelfen danken. Dies in meinem Namen, im Namen der Organisation und vor allem im Namen der Jungs.

Auch diese Arbeit, die sich nun doch als langwieriger herausgestellt hat als ich Anfangs dachte, hat mir mit allen Hochs und Tiefs gezeigt das es in meinem Freundes- und Verwandtenkreis eine große Zahl von Menschen gibt die mitfühlen und mithelfen, die bereit sind großes Engagement zu zeigen und mit anderen, Bedürftigen zu teilen. Eine Einsicht die mich an mancher Stelle des Spendensuchens extrem motiviert und tief berührt hat – eine große Bereicherung. Hierfür noch einmal vielen, vielen tausend Dank!

In diesen ersten sieben Monaten habe ich extrem viel gelernt, über die Kultur, über das Land, über die Leute und nicht zuletzt über mich selbst. Ich habe einige so tief gehende Eindrücke gewonnen und einmalige Erfahrungen gemacht, die mich immer wieder daran erinnern wie glücklich ich sein kann, dieses eine Jahr als Freiwilliger hier in Kenia machen zu dürfen.

Schon jetzt merke ich, das diese nun mittlerweile einen Monat dauernde zweite Hälfte des Freiwilligenjahres noch ein ganzes Stück schneller vergehen wird als die erste. Es gibt noch so viele Dinge die ich tun und sehen will; noch so viele Ideen und Pläne die ich umsetzen will, mehr als in diesen bleibenden fünf Monaten zu schaffen ist. Ich will das Beste daraus machen.

Um es nun zum Abschluss noch einmal in Kürze auf den Punkt zu bringen: Ich bin froh hier sein zu dürfen, erlebt zu haben was ich erlebt habe und noch erleben zu können was ich noch erleben werde! Ich werde euch nach Möglichkeit an all diesem Teil haben lassen.

Zum Schluss noch eine kurze Erklärung zum Titel dieses Blogartikels: ‚Yesterday – Today – Tomorrow‘ ist eine Blume die hier in Kenia und auch auf unserem Compound wächst. Ihren Namen hat diese Pflanze bekommen, da sie ihre Blüten in sehr schneller Art und Weise von Blau-Violett über Violett-Lavendelfarben zu weiß ändert. Nebenbei sieht diese Pflanze wirklich besonders aus und riecht sehr wundervoll. Im direkten Sinne steht der Name dieser Pflanze für den Rückblick – die momentane Situation – den Blick nach vorne. Im übertragenen Sinn steht die Vielfältigkeit dieser Pflanze, für die Vielfältigkeit der Arbeit bei und mit der Organisation und das Leben allgemein mit allem drum und dran in Kenia. Dieses Jahr gibt mir viele besondere Erlebnisse und wundervolle Erfahrungen.

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Benefizkonzert

Immer noch bin ich damit beschäftigt Spender und Spenden für den Sportplatz auf der neuen Farm zu sammeln. Durch die Begebenheit und Idee zum Mitdenken und Mitmachen animiert, hat sich mein ehemaliger Basketballkollege und guter Freund Ilja Rausch aus freien Stücken, ohne jegliche Anfrage dazu entschlossen ein Benefizkonzert zu diesem Zweck zu veranstalten. Hierfür hat er alle möglichen Hebel in Bewegung gesetzt und viel Zeit und Mühe investiert um dieses nun am 11.03. um 19:00 Uhr im Jugendhaus Kempten statt finden zu lassen. Für ein Eintrittsgeld von 6,00 Euro, welches nach dem Konzert als Spende komplett an das Projekt geht, werden Gäste ab 18:15 eingelassen. Auf Iljas Anfrage hin veröffentliche hier noch einmal die Kontodaten für Spenden direkt an das Projekt:

VIA e.V.
Sparkasse Lüneburg
BLZ: 24050110
Kto: 570 506 27
Vwz: SP

Spenden aus dem Ausland:
IBAN:
DE66240501100057050627
BIC bzw. SWIFT-Code:
NOLADE21LBG

Wichtig hierbei ist als Verwendungszweck „SP“ anzugeben, nur so kann die Spende dem Projekt zugeordnet und eine Spendenquittung ausgestellt werden. Die Kontodaten für Spenden sind auch jederzeit rechts in der Sidebar einsehbar.

Ich bedanke mich bei allen die mitfühlen und ithelfen dieses Projekt zu realisieren in meinem Namen, im Namen der Organisation und natürlich im Namen der Jungs. Vielen, vielen Dank Ilja für deinen unglaublichen Einsatz, deine Mühe und aufgewendete Zeit, vielen Dank für dein überwältigend Engagement mit dem du nicht nur mich beeindruckt und tief berührt hast.

Vielen, vielen, vielen Dank!

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Ein trauriges Phänomen

Mit diesem Blog will ich versuchen die Verhältnisse zwischen Arm und Reich aus meiner persönlichen Sicht, die ich in den knapp sechs Monaten hier in Nairobi gewonnen habe, möglichst treffend und lebendig zu schildern um dieses Phänomen, das ich auch in dieser langen Zeit noch nicht zu fassen bekommen habe, welches mich viel beschäftigt und immer wieder nachdenklich stimmt, näher zu bringen.

Jeden Dienstag und Samstag lasse ich um ca. 8.30 Uhr unsere zwei Zimmer 24 m² Wohnung, welche sich auf dem rundum abgezäunten Grundstück von Afri-Lift befindet zurück, um von hier aus Richtung Kibera, in unser Aufnahmeprogramm in Otiende zu starten. Schon bevor ich die Klinke der Haustür in die Hand nehme, bin ich mir sicher auf meinem Weg zum Grundstückstor einen der sehr lieben, streichelbedürftigen Schäferhunde die unser Grundstück bewachen zu begegnen. Diese begleiten mich bis zu unserem mit einem Vorhängeschloss gesicherten Tor, welches ich an Tagen, an denen ich den Schlüssel zu Hause vergesse, relativ problemfrei überklettere. Von hier aus komme ich auf die frisch geteerte Straße unseres Estates, welches aus unserer und zwölf weiteren, ähnlich bewachten Wohnanlagen besteht. Auf dem Weg zum gesicherten Haupttor komme ich vorbei an einem sich in der Bauphase befindenden, neuen Wohnhaus und weiteren Tag und Nacht durch stets freundlich grüßende Wachmänner behütete Wohnanlagen. Ich grüße freundlich zurück und verlasse unser Estate auf die Isaac Gathanju Road. Mit unserem Estate im Rücken und der Straße vor mir sehe ich auf der gegenüberliegenden Straßenseite das Early Learning Montessori Centre, eine Privatschule zur frühen Schulischen Förderung von Kindern im Alter von drei bis sechs Jahren. Ich biege rechts in die James Gichuru Road, die Nachmittags voll mit Fußgängern ist, auf der mir jedoch zu dieser frühen Stunde nur wenige Menschen begegnen. Ich komme vorbei an weiteren, von der Straße aus wenig einsehbaren Grundstücken. Es ist aber schwer anzunehmen das diese unserem sehr ähneln, denn was zu sehen ist, ist pompös und extravagant; immer wieder sehe ich Autos der Oberklasse ebendiese Grundstücke verlassen. Am Ende der Straße, nahe der Matutastation angekommen, lässt sich das Einkaufszentrum von Lavington, in dem sich neben der Metzgerei, dem Autohändler, dem Bankautomaten und einigen kleineren Geschäften, ein Supermarkt mit praktischen allen erdenkbaren Waren aus den unterschiedlichsten Ländern zu dementsprechenden Preisen, wie deutsche Ritter Sport für 2.00 Euro, englisches After Eight für 3.00 Euro oder Toblerone aus der Schweiz für 5.00 Euro, befindet, erahnen. An der Station angekommen warte ich an der von weiteren, noblen Autos befahrenen Hauptstraße auf Matatu 48. Dieses bringt mich vorbei an unserem Estate gleichenden, wohlbehüteten Villen und üppigen Wohnanlagen nach Ambosseli, wo ich in Nummer 46 umsteige um mich von diesem am Yaya Center absetzen zu lassen. Dieses weitere Einkaufszentrum, das auf meinem Weg nach Otiende liegt, übersteigt das vorher in Lavington gesehene und auch die meisten mir aus Europa bekannten Einkaufszentren bei weitem. Es gibt insgesamt rund 100 Geschäfte, Boutiquen und Restaurants. Wer will und kann, kauft hier alles nötige und unnötige zu vorstellbaren und unvorstellbaren Preisen. Ich passiere diese Stelle um mit Matatu Nummer 8 Olympic (Kibera), die Endstation meiner kurzen, aber sehr interessanten und lehrreichen Reise, zu erreichen. Auf dieser letzten Fahrt ändert sich das Bild nur langsam und dadurch beinahe unbemerkt. Erst am Eingang und beim Betreten von Kibera schlägt mir der Wechsel markant und übersehbar ins Gesicht.

Von der Matatustation gehe ich die ersten 100 Meter noch auf teilweise gebrochenen Teer, danach je nach Wetter auf Staub- oder Matschwegen Richtung Otiende, wo unser Aufnahmeprogramm statt findet. Diese Wege bekommen seltenst die Reifen der zuvor so zahlreich gesehenen Nobelautos zu spüren – die Bewohner hier nutzen ihre Füße und Matatus zur Personenbeförderung und große Ziehwägen, je nach Last von einem oder mehreren Personen, so und so jedoch unter Anstrengung und Schweiß angetriebenen, zum Transport von Waren und Gütern. Ich gehe weiter und erreiche die Bahnschienen die hier quer durch das Slum führt und in den vielen unbefahrenen Momenten als Sitzgelegenheit oder Spielplatz dienen. Ich biege rechts in den meistens matschigen und rutschigen Hauptweg ein und rieche die öffentliche, inoffizielle Müllverbrennungsdeponie schon lange bevor ich sie sehe, diese nur eine von vielen hier in Kibera. Weiter auf meinem Weg passiere ich hölzernen Straßenständen an denen Lebensmittel, Textilien und sonstige Gebrauchsgegenstände verkauft werden und Frauen die frittierte Kartoffeln und Teigwaren aus ihren Pfannen am Wegesrand anbieten – es fehlen die riesiges Shoppingcenter überfüllt mit allen nur vorstellbaren Waren aus aller Welt und Restaurants die Mittagessen zu Preisen anbieten, zu denen eine fünfköpfige Familie hier in Kibera Problemfrei mehrere Tage auskommen könnte. Der gesamte Weg führt mich vorbei an den einfachen, eng aneinandergereihten Lehmhütten mit Dächern aus Wellblech, die übliche Behausung hier in Kibera, die das Bild des Slums prägen und in einer bestimmten Weise für mich verkörpern – niemand hier hat einen eigenen Garten, ein umzäuntes von Wachmännern oder Hunden bewachtes Gelände, die wenigsten Menschen hier Leben in Wohnungen die Wind und Wetter standhalten. Am Fuße des Slums angekommen überquere ich mithilfe der hölzernen Brücke den Kloakenfluss in dem ab und zu ein Schwein bei der Nahrungssuche zu sehen ist und welchen die Bewohner trotz Farbe und Geruch als Quelle für ihr Waschwasser nutzen. Von hier aus folge ich dem kurzen, steilen Weg um dann nach rund 20 Minuten Fußweg durch das Slum, über rutschige Matschwege, durch den Geruch von Fäkalien, vorbei an den Lebensumständen der Armut in Otiende, in unserem Aufnahmeprogramm anzukommen.

Mit diesem Erfahrungsbericht des Weges Lavington – Otiende will ich das von mir beobachtete und erlebte und meine Sichtweise auf die Dinge, den krassen Gegensatz hier in Nairobi möglichst genau darstellen. Dieses Beispiel meines Arbeitsweges, welches nur eines von vielen ist, dient in diesem Sinne als Verdeutlichung für den hier in Nairobi allgemein vorhandenen markanten Kontrast zwischen Übersättigung und Hunger, Luxus und Bedürftigkeit, Überfluss und Mangel – krassem Reichtum und brutaler Armut.

Um einen Anhaltspunkt zu geben, wie diese Situation auf mich wirkt, wie ich diese Begebenheit wahrnehme, um das Ganze klarer und in seiner tatsächlichen Ausmaßen dazustellen und es für jemanden, der diese Erfahrung nicht selber machen kann zu verdeutlichen, will ich die Situation mit einem Vergleich durch ein Bild ausgedrückt beschreiben. Hierfür benötige ich lediglich zwei Steine. Der eine verkörpert die Wohlhabende Oberschicht, der andere die in Armut lebende Bevölkerung. Ich nehme die zwei Steine und platziere sie in einem halben Meter Entfernung voneinander. Die jetzige Entfernung zwischen den beiden Steinen soll die gefühlte Lücke zwischen Arm und Reich in Deutschland darstellen. Nun, um die gefühlte Lücke hier in Kenia zu zeigen, nehme ich einen der beiden Steine und werfe diesen mit aller Kraft so weit ich nur kann. Damit wird die Lücke zur Kluft, der Stein ist auf die große Distanz kaum noch zu sehen; Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist in meinen Augen unfassbar, undefinierbar, unglaublich. Es gibt Arm, es gibt Reich, zwischen drin nicht wirklich viel – dies meine Sicht auf die Dinge.

Dieses persönliche und durch Erlebnisse ausgelöste Fühlen wird dazu durch folgendes, aussagekräftiges Zahlenmaterial unterstützt:

Während die reichsten fünf Kenianer (allesamt ehemalige oder aktuelle Politiker) zwischen 75.000.000 und 875.000.000 Euro besitzen, liegt das durchschnittliche Bruttonationaleinkommen pro Kopf pro Monat bei 45 Euro. Zwanzig Prozent der Bevölkerung leben unter der absoluten Armutsgrenze, also von weniger als 1.25 Dollar pro Tag (Angaben UNICEF, 2008). Eine unbegreifliche Ungerechtigkeit, eine perverse Ungleichverteilung.

Das ganze wird durch eine weitere Begebenheit zum interessanten aber traurigen Phänomen. Der Weg nach Kibera nimmt mit dem Matatu je nach Verkehrslage ungefähr 20-30 Minuten in Anspruch. Unabhängig von Stau trennen uns von unserem Compoundtor in Lavington bis zum Eingang von Kibera rund sieben Kilometer Straße oder fünf Kilometer Luftlinie. Die meisten der Menschen, die mir Nachmittags auf der Straße vor unserem Estate, auf der Isaac Gathanju Road, begegnen und Lavington durchqueren, kommen von der Arbeit und sind gerade auf ihrem Weg nach Hause. Sie gehen in ein anderes, von unserer luxuriösen Wohngegend rund 15 Minuten entferntes Slum. Unter ihnen sind die Bauarbeiter, welche die Anwesen in unserer Gegend entstehen lassen und die freundlich grüßenden Wachmänner die diese Bewachen, es sind Haushaltshilfen die für die Besitzer dieser Wohnanlagen kochen, putzen und waschen und die Kassierer und Kassiererinnen die die Bewohner der Anlagen Tag für Tag im Shoppingcenter bedienen. Sie alle verbringen den Tag gemeinsam mit der Oberschicht, wohnen mit ihnen räumlich gesehen Tür an Tür, arbeiten mit ihnen zusammen Hand in Hand – leben am Ende des Tages aber dann doch auf der anderen Seite der unersichtlich tiefen Kluft.

Die Frage, die ich mir nahezu jedes Mal wieder auf dieser kurzen Reise stelle, auf die ich bisher noch keine Antwort gefunden habe ist, wie die Menschen mit dieser Situation umgehen; wie sich die in Armut lebenden Menschen damit fühlen. Was denkt der Bauarbeiter, der diese riesigen, unglaublich luxuriösen Häuser mit entstehen lässt, nach getaner Arbeit aber wohl nie wieder ein solches betreten wird? Was denkt der Wachmann, wenn er lächelnd das Tor öffnet um dem unvorstellbar teurem Nobelauto den Weg frei zu machen? Was denkt die Haushaltshilfe, die Tag für Tag Speisen zubereitet und Kleider Wäscht von denen sie nur träumen kann? Was denkt die Kassiererin, wenn sich Kunden überflüssige Süßigkeiten im Wert des gesamten Tagesbedarfs an Nahrungsmittel für ihre gesamte Familie kaufen? – Hass? Trauer? Frustration? Gleichgültigkeit?

Dieses Thema ist und bleibt für mich nicht wirklich (be)greifbar und hält bis auf weiteres viele Fragen offen. Aus diesem Grund würde ich mich sehr freuen, wenn du Leser dich dazu äußerst und mit mir deine Meinung und deine Sicht auf die Dinge öffentlich als Kommentar oder privat per Mail teilst.

Um der wörtlichen Beschreibung des Weges von meiner Haustüre in Lavington bis zum Treffpunkt des Aufnahmeprogrammes in Otiende ein wenig Leben einzuhauchen, bin ich heute teilweise alleine, teilweise zusammen mit meinem Freund und Arbeitskollegen Nicko diesen Weg mit der Kamera ausgestattet nachgelaufen um ihn hier auf dem Blog darstellen zu können. Aus rechtlichen und gesellschaftlichen Gründen konnte ich jedoch nicht von allen beschriebenen Stellen Photos machen und so wird die Fotogeschichte lückenhaft. Dennoch hoffe ich, sie hilft dabei ein Bild von der Situation zu geben.

Der nachdenklich stimmende Weg von Lavington nach Kibera – von Reich zu Arm:

1., 2. Weg zum Grundstückstor; 3. Frisch geteerte Straße zum Estate Tor; 4. Der Wachmann öffnet das große Tor für ein Auto; 5. Der Wachmann öffnet freundlich lachend das Tor für mich; 6. Tor im Rücken, Blick nach links – Early learning Montessori Centre; 7. Blick nach rechts – Isaac Gathanju Road; 8. Blick auf die Kreuzung & Matatustation; 9. Lavington Shoppingcenter; 10. Autohändler neben dem Shoppingcenter; 11., 12., 13. Fahrt in Matatu 48; 14. Yaya Shoppingcenter, Innenaufnahmen sind leider nicht erlaubt; – 15. Kibera, Blick auf Matatustation Olympic; 16., 18. Teil geteerter, selten befahrener Weg; 18. Fußweg Richtung Otiende; 19. Männer entladen Ziehwagen, diese meistens gefüllt mit Wasserkanistern; 20. Bahnlinie durch Kibera; 21. Rechts offene Müllverbrennungsdeponie, links Wellblechdächer; 22. Schmaler Gang zwischen Hütten; 23. Hölzerner Straßenstand; 24. Sinnbild Wellblechdächer; 25. Rechts Textilien & Gemüsestand, links Wellblechhütten; 26. Bild 25. von der anderen Seite; 27. Brücke über Kloakenfluss; 28., 29. Wellblechdächer; 30. Treffpunkt Otiende; 31. Weg von der Matatu Station Nachmittags, Straße ist voll; 32. Isaac Gathanju Road vier Stunden später (Bild 7.)

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Schmerzhafte Einsicht

Vor nun knapp fünf Monaten bin ich von Deutschland aus mit vielen Ideen, hohen Erwartungen und noch mehr Enthusiasmus nach Kenia, in mein Jahr als Weltwärtsfreiwilliger gestartet. Schon sehr lange bevor ich hier angekommen bin, lange bevor ich aus Deutschland ausgereist bin, schon seit dem ich mit Sicherheit wusste das ich diese wunderbare Chance hier in Kenia bekommen sollte, hatte ich mir persönlich einige Ziele für diesen einjährigen Aufenthalt gesteckt. Ich hatte mir vorgenommen die Gegend mit eigenen Augen und Beinen zu erforschen um das Land in seiner ganzen Schönheit möglichst nah zu erleben; war fest entschlossen die Kultur sehr genau zu studieren um Hintergründe erschließen zu können; hatte mir das Ziel gesetzt mit den Menschen möglichst enge Kontakte zu schließen um Lebensweisen und Ansichten zu verstehen; ich war sehr stark daran interessiert eine neue Sprache, Swahili, die erste Muttersprache der Kenianer zu erlernen um diesen in Arbeit und Alltag näher zu kommen; alles in allem habe ich an mich selber den Anspruch gestellt, in diesem einen Jahr alles dafür zu geben bestmöglich zu integrieren, um somit so nah wie nur möglich an den kenianischen Lebensstil heran zu kommen. Bis hier her ist mir das in weiten Teilen relativ gut gelungen. Ich habe schon einige Reisen mit Freunden in die Nähere Umgebung Nairobis und ferne Teile des Landes gemacht, einige atemberaubende Orte gesehen und bleibende Eindrücke gewonnen. Ich habe hier viele Menschen kennen gelernt und Freunde gefunden, habe mit diesen Erlebnisse geteilt und von ihnen viel über die hiesigen Lebensumstände gelernt. Von Anfang an habe ich Swahili mit meiner Nachhilfelehrerin im privaten und mit der Zivilbevölkerung im Alltagsleben gelernt und geübt. Vor allem aber versuche ich meinen Lebensstil dem kenianischen anzupassen. Ich gehe sparsam und mit bedacht mit meinen Mitteln um, kaufe Lebensmittel so weit möglich nur auf dem örtlichen Straßenmarkt, wasche meine Kleidung selber und von Hand, ich stelle meine Ernährung auf das einheimische Essen um und nutze die gewöhnlichen Verkehrsmittel; Ich versuche so kenianisch zu werden wie nur möglich.

Im vergangenen Monat hatte ich die Chance diesem Versuch noch ein Stückchen intensiver nachzugehen und einen neuen Einblick zu gewinnen. Für zwei Wochen habe ich auf der Baustelle der neuen Farm gelebt und gearbeitet. Eigentlich sollte ich die von der harten Arbeit leicht geplagten und demotivierten Farmjungs aufmuntern und remotivieren, ihre Probleme erkennen, um diese Später dann mit der Organisationsmama zu besprechen. Diese Zeit hat mir darüber hinaus einige gute Einsichten gegeben und war somit eine sehr gute Erfahrung. Ich habe hier auf der Baustelle für einige Tage und Nächte sehr eng mit den Jungs und den anderen Baustellenarbeitern zusammen gelebt und gearbeitet. Dadurch bin ich ihnen ein ganzes Stück näher gekommen. Wir hatten sehr interessante und intensive Gespräche. Auch die Baustellenarbeit selber war eine sehr aufschlussreiche, bereichernde Erfahrung. Diese hat mir sehr dabei geholfen, die Jungs in ihren Ansichten, Klagen und Problemen besser verstehen zu können. Denn auch für mich war die Arbeit extrem hart. Wir haben in der morgendlichen Kälte, in Regen und der Hitze der Mittagssonne Steine getragen und mit Hammer und Meißel bearbeitet, schwere Eimer mit Sand, Wasser und Zementsäcke geschleppt, Beton gemischt und Verteilt. Die meisten dieser Arbeiten wurden von Hand und mit reiner Manneskraft vollbracht. Ich selber habe mir durch fehlende Übung und Ungeschicklichkeit einige leichte Schrammen, Blasen und Blaue Flecken dabei zugezogen, das alles ist aber nicht weiter schlimm. Richtige Schmerzen hatte ich erst, als ich zurück nach Nairobi gekommen bin. Aufgrund extremer Rückenschmerzen und trotz sehr starker, aus Deutschland mitgebrachter Schmerztabletten hatte ich in der ersten Nacht kein Auge zu bekommen. Obwohl ich körperliche Anstrengungen gewohnt und eher schmerzresistent als -empfindlich bin , hat mir diese Arbeit physisch einiges abverlangt.

Die Arbeiter, die hier Tag für Tag, Woche für Woche dankbar dieser, nach ihrer eigenen Aussage körperlich fordernder, Arbeit nachgehen erhalten für diesen Job zirka 8.000 Schilling (entspricht ca. 80 Euro) pro Monat. Mit diesem Lohn, mit dem sie deutlich über dem kenianischen Mindestlohn (ca. 35 Euro) und wohl gut im kenianischen Durchschnittseinkommen liegen, ernähren diese Familien und sorgen für deren Unterkunft und Bildung. In meinem Fall als Freiwilliger jedoch, würde dieser Lohn nicht annähernd die monatlich anfallenden Lebenskosten aus Miete, Nahrung, Fahrt- und Nebenkosten decken. Dazu kommt, dass mein Einkommen gesichert ist, selbst ohne körperlich anstrengende Arbeit und über das ganze Jahr. Nie werde ich mit körperlich harter Arbeit und deren Folgen kämpfen müssen. Nie werde ich Hunger leiden oder mir ernsthafte Gedanken über das Überstehen des nächsten Tages machen müssen. Nie werde ich unter der Ungewissheit leiden, ob ich meine existenziellen Bedürfnisse befriedigen kann.

Daraus habe ich für mich die wohl bisher einprägsamste Erkenntnis gezogen. So sehr ich auch versuche meinen Standard zu minimieren, mich in meinen Ausgaben zu zügeln und mich in meinem Verhalten den kenianischen Verhältnissen anzupassen, bleibt dies alles am Ende des Tages doch nicht mehr, als der Versuch sich beim Greifen nach den Sternen auf das höchste Gebäude der Welt zu stellen; ein netter und angebrachter Versuch, aber dennoch noch unfassbar weit vom Ziel entfernt.

Durch diese Einsicht bekomme ich noch einmal ein ganzes Stück mehr Respekt vor diesen kenianischen Arbeits- und vor allem Lebensumständen; vor den Frauen und Männern die sich Tag für Tag, Woche für Woche diesen Lebensaufgaben stellen müssen, vor den Kindern die unter diesem Umständen aufwachsen.

Diese nahen Einblicke, diese einprägsame Erfahrung und die daraus gewonnene, extrem wertvolle Einsicht war in jedem Fall alle erlebten Schmerzen wert.

Medizin muss nicht schmecken, nur helfen.

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Frohe Weihnachten – Merry Christmas – Krismasi Njema

Es ist jedes Jahr dass selbe, es kommt jedes Mal mit dem selben Namen und sogar zur selben Zeit. Es kündigt sich durch unverkennbare und eindeutige Zeichen an: es wird kalt, Seen gefrieren, es schneit, Straßen werden ruhig und still, in den Häusern wird es gemütlich. Man könnte beinahe sagen es ist planbar: es wird Weihnachten. Doch dieses Jahr ist alles anders. Keine Warnsignale, kein Schnee, kein Eis, keine Kälte. Sogar Name und Datum haben sich geändert. Es ist nicht mehr der 24. Dezember, hier in Kenia wird am 25. gefeiert. Auch steht dieses Mal nicht „Weihnachten“ in den Kalendern, hier heißt es „Krismasi“. Irritiert von diesen Begebenheiten, der Wärme, dem  fehlenden Schnee und dem unverändert bunten Treiben auf den Straßen, hatte ich nicht bemerkt wie Weihnachten sich dieses Jahr auf Zehenspitzen und mit extra großen Schritten angeschlichen hatte. Nun ist es da und will gefeiert werden.

Jonas und ich werden diesen großen Tag zusammen mit den Jungs auf der Farm feiern. Wir haben ein paar kleine Geschenke besorgt, werden ein besonderes Essen kochen und den Tag mit speziellen Aktivitäten füllen. Wir wollen diesen Tag,  Krismasi, das Fest der Liebe für die Jungs zu einem sehr besonderen Tag machen. Ich freue mich schon sehr darauf, auf ein einmaliges Weihnachten in einer sehr speziellen und besonderen Umgebung.

Als kleinen Weihnachtsgruß aus der Ferne haben wir zusammen mit unserer Freiwilligenfreundin Marit und den Jungs ein kleines Geschenk für euch Blogleser aus unseren Stimmen gebastelt.

Zum Sehen, Hören und Freuen hier klicken: Usiku Mku – Stille Nacht – Silent Night

In diesem Sinne wünsche ich euch aus der Ferne ein entspanntes und frohes Fest; von den Jungs übermittle ich ein herzliches „Krisamsi Njema“.

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